Referat von Karl Link zum Thema "schnell - schnell" des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu - November 2009

Der Verfasser fordert auf, Ergänzungen, neue Fakten usw. an ihn zu schicken, damit die Radsportgescihichte vollständig(er) wird. Das hier ist nur ein Auszug und Überblick.

Karl Link - Email: koalink@web.de

Radsport im Kreis Böblingen.

Radfahren vermittelt Geschwindigkeit und Mobilität!

Die Erfindung des Laufrades durch Herrn von Drais, daraus in rasanter Folge die Entwicklung immer besserer Fahrräder, erweiterte im sprichwörtlichen Sinne den „Horizont“ für ALLE!

Tüftler konnten sich hier, lange vor der Motorenentwicklung „ausleben“.

Vereine gründeten sich – BDR-Vorläufer-Verband bereist 1984!

Geselligkeit war großgeschrieben. Wochenend-Ausfahrten in der Gruppe zu anderen Veranstaltungen stärkten den Zusammenhalt. Die daraus resultierenden Korso-Wettbewerbe waren in! Anlässlich der Umzüge gab es nicht nur Preise für die größten Gruppen sondern auch, „wer am besten langsam und doch geradeaus fahren konnte“! Wie gesagt am Nachmittag ging es gessellig weiter, begleitet durch Radrennen und Saalsportvorführungen auf den damals offenen Bühnen.

Die Radrennen entwickelten sich in zwei Richtungen: Bahn und Straße, die heute noch Bestand haben:

Bahn –  bot den sichtbaren „Geschwindigkeitsrausch“ war  Zuschauer-Magnet!

Straße – die Nicht-Schnellfahrer fanden Bestätigung in Distanzwettberben, vornehmlich entlang der Bahn-Verbindungen.

Bahn: Auf Radrennbahnen „Flieger“ (Kurzzeit) und „Steherrennen“ (Distanzwettbewerbe) – diese Bezeichnungen wurden dem Pferdesport entliehen

Ab  der JH-Wende 6-Tage-Rennen  (entstanden im New Yorker Madison-Garden). Gesamtlänge 145 Std. (6 Tage und 1 Std.). Warum diese Distanz? Der Pfarrer des New Yorker Stadtviertels, in welchem die Sporthalle lag, sorgte für ein „Sonntags-Fahrverbot“!

Straße - Anfangs Städtefahrten (einfach, hin/rück). 1903 folgte die TdF mit 9 Etappen und diese jeweils über ca. 350-400 km Länge. Selten waren damals große Eintagesrennen kürzer als 300 km! Im regionalen Bereich gab es Rundstreckenrennen auf kleineren (gut kontrollierbaren) Rundkursen.

Für die Veranstalter war dies nicht ganz einfach, die Rennfahrer-Felder zu kontrollieren. Deshalb führten die Strecken meist von Ort zu Ort, die gleichzeitig per Bahn erreichbar waren, da dann die „Kommissäre“ mit der Bahn voraus fahren konnten, um am Ziel- oder am Wendeort den Zieleinlauf, bzw. den Wettkampfverlauf ordnungsgemäß erfassen zu können.

Dank Technik-Verbesserungen am Gerät, vor allem aber auch dank besserer Straßen, wurden die Rennen allmählich immer schneller.

Waren es anfangs Schnitte um 30 – 33 km/h liegen diese heute bei deutlich über 40km/h! Bei Zeitfahren um die 50 km/h.

Anfangs mit Starrlauf. Erste Verbesserung brachte der Freilauf. Die Hinterräder wurden bald mit zwei Ritzeln, auf jeder Seite eines, ausgestattet. Die ersten „Gang-Wechselmöglichkeiten“ waren geboren!  Allerdings mussten die Rennfahrer vor Steigungen anhalten, das Hinterrad drehen, um dann mit einem leichteren Gang weiterfahren zu können.

Anmerkung: Diese damals genutzten Übersetzungen fahren heute unsere Schüler als schwerste Gänge!

Mit Erfindung der Schaltung wurden Rennen schneller, qualitativ höherwertiger! Anfangs 3-fach, später vorne das doppelte Kettenblatt (mit Hand-Umwerfer), danach immer mehr Ritzel auf dem Hinterrad, inzwischen bei 11 angelangt – und für Touristen vorne gar drei Kettenblätter!

Rahmen/Laufräder: Die Rahmenentwicklung nahm ebenfalls parallel zu den besseren Straßen ihren Lauf! Vom schweren Stahl- zum weit leichteren Chrom-Molybdän-Rohr, ab Mitte der 60er Jahre durch steilere Rahmengeometrie wurde das Bike zunehmend leichter und steifer. Danach folgten in den 70er-Jahren Aluminium und heute parallel dazu Kohlefaser, die das Bike-Gesamtgewicht weit unter das zu Wettkämpfen zugelassene Limit von 6,8 kg drückten.

Nicht so sehr der Rahmenbau in Tropfenform war es, welche die Zeiten purzeln ließen. Eher anfangs unbeachtete Nebeneffekte brachten die eigentlichen Vorteile: Die aerodynamische Lenkerkonstruktion und die steiferen Rahmen! Dank Kohlefaserlaufrädern (Scheiben), dadurch verminderter „Verwirbelung“ im Hinterbau des Bike gab es einen gewaltigen Schub. Den wichtigsten brachte jedoch das steifere Material, das seitliche Rahmenschwingungen, verursacht durch die Kraftimpulse der Tretbewegung, deutlich reduzierte. Dadurch kam mehr Leistung in den Vortrieb (empirisch) von 90 – 94% auf 95-97%!

 

Unerlaubte Hilfen im Radsport:

Diese gab und wird es (leider) auch weiterhin geben. Die üblichen Tricks des „tauchens“ bei Rundstreckenrennen oder Teilreisen mit der Bahn konnten abgestellt werden. Nicht aber die unerlaubte Hilfe durch chemische Substanzen: Doping spielte bei all dieser Entwicklung immer eine Rolle bis zum heutigen Tag! Anfangs waren es die Amphetamine als „Angst-Tilger“, heute sind es zur Leistungssteigerung und schnelleren Regeneration anabole Substanzen.

Die Sportbewegung ist jedoch auf gutem Wege (auch wenn manche Enthüllungsjournalisten anderes verkünden), diese Probleme einzudämmen. Ohne staatliche Unterstützung (allg. Strafrecht) geht es jedoch nicht.

Grund: Die „Sport-Regularien“ (im Prinzip selbst gewählte Ethik-Vorgaben) sind leider rechtlich angreifbar. Dadurch entstehen Chancen für „Winkeladvokaten“, Urteile anzufechten, bzw. Schadenersatzforderungen zu stellen. Diese möglichen Konsequenzen können Fachverbände substantiell nicht durchhalten.

Dennoch, mit staatlichen Hilfen (Einbindung ins Strafrecht) wird dieses Problem deutlich vermindert!

 

Weitere Sportarten mit dem Bike:

Fast zeitgleich entwickelten sich rund ums Rad weitere Sportarten des „Saalsports“ – Kunstfahren, Radball und Radpolo (Frauen). Warum Saalsport, weil dazu Hallen notwendig sind – und es solche damals nur selten gab. Folglich wurde im örtlichen Tanzsaal geübt, sofern einer zur Verfügung stand. Mancherorts konnte kein Zweier-Kunstfahren praktiziert werden – einfach, weil der Saal zu niedrig war!

Anfangs gab es Schauwettbewerbe bei den vielen Radsportfesten auf offenen Bühnen im Grünen! Diese Sportentwicklung erfolgte im Gleichklang mit dem Bau von Radsporthallen der Vereine und später dem Bau der Schulturnhallen!

Beide Disziplingruppen faszinieren: Kunstfahren vermittelt Ästhetik. Turnerische und Geschicklichkeitselemente halten sich die Waage (Beispiel Mauthe-Sprung). Radball/Radpolo –enorm schnelle Spielsportarten, die neben der Radbeherrschung und Spielverständnis auch den Teamgedanken beinhalten .

Beide Hallendisziplinen konnten sich (international) leider nicht so entwickeln, wie die „jüngeren“ Trendsportarten MTB und BMX (beide inzwischen olympisch). Grund: Zu wenige Nationen, überwiegend europäische, folglich zu wenig interkontinentale Befürworter, um olympisch werden zu können! Und - wer nicht olympisch ist, wird in Fragen staatlicher Förderung kurz gehalten. Folglich können nur Trendsportarten mit Publikumszulauf diese Hürde irgendwann überwinden!

Nach wie vor tun sich traditionelle Radsportvereine eher schwer, neue, fetzige Sportarten in ihren Reihen aufzunehmen. Auch hierfür sind Macher notwendig, die allerdings mit ihren „Ideen“ nicht immer Befürworter in den Reihen der Traditionalisten finden können!

 

 

Welche Auswirkungen hatte diese Entwicklung auf die Radsport-Bewegung in unserer Region?

Vereinsentwicklungen:

Der BDR, bzw. seine Vorgänger-Organisation wurde bereits vor 125 Jahren gegründet (1984)!

Radsport im Kreis gibt es teilweise schon seit über 100 Jahren (Magstadt, Weil i. Schönbuch, Gärtringen konnten bereits ihr 100jähriges Jubiläum feierrn). Die Mehrheit der Vereine, in vielen Kreisgemeinden, gründete sich nach dem 1. Weltkrieg in den 20er Jahren.

Vereine spezialisierten sich (Rennsport, Saal/Hallensport). Stets standen Enthusiasten und Macher dahinter, die ihre Vereinskollegen überzeugen und zur Mitarbeit animieren konnten. Unter deren Führung entwickelte sich der Radsport mit all seinen Facetten, sowohl im organisatorischen, wie auch im sportlichen Bereich.

Vor allem ab den 60er Jahren richteten Vereine des Kreises nicht nur Landes- sondern auch Deutsche, gar Weltmeisterschaften aus, die natürlich der gesamten Sportbewegung im Kreis zu Gute kamen.

Beispiele:

Öschelbronn – Konzentration auf den Bahnsport und Bau einer „Naturbahn“ bereits 10 Jahre nach Vereinsgründung, danach deren mehrfacher Umbau. Nach dem Krieg Bau einer Betonbahn (172 m) und 1985 Bau der Holzbahn, die nunmehr renoviert (2008) und mit Dach versehen zu einem wahren Kleinod wurde. Fast unbemerkt entwickelte sich nach dem Krieg parallel dazu der Hallensport zu einem wichtigen Zweig im Verein.

Magstadt – lange schon „zweigleisig“, bzw. anfangs eher Hallensport orientiert, entwickelte sich seit Anfang der 60er Jahre zu einem Zentrum des Querfeldeinsports, ohne die anderen Bereiche zu vernachlässigen. Im Hallensport gab es frühzeitig beste Trainingsmöglichkeiten mit der Festhalle im Ort. Daraus resultieren mehrfach Weltmeistertitel, Medaillengewinne im Zweier wie auch in den Einzeldisziplinen. Der Quer-Sport zog deutlich nach als Ausrichter der Querfeldein-WM 1969!!, mehrfacher Ausrichter Deutscher Cross-Meisterschaften und jährlich traditionellen Rennen „an den Buchen“! Daneben gab es viele Straßenrennen und Kriterien!

Magstadt hatte somit vor allem im Hallenradsport einen deutlichen „Entwicklungsvorsprung“ vor allen weiteren Kreisvereinen!

Böblingen – gegründet 1970 durch gemeinsame Initiative von Winfried Holtmann und dem langjährigen WRSV-Präsidenten Eugen Kirn – wandte sich dem Bahnsport zu, aus dem viele WM-Teilnehmer, Weltmeister etc. hervorgingen.

Gärtringen: Lange Jahre verlief das Vereinsleben fast ausschließlich im Rennsport. Nach 1949 kam der Hallensport auf, zuerst nur Kunstfahren, später auch Radball. Anfangs in fremdem „Saal“, inzwischen in der gemeindeeigenen „Schwarzwaldhalle“ So liegt es nahe, dass  die Schwerpunkte des Vereins eindeutig im Radball-Bereich liegen.

Die Entwicklung war „stimmig“, denn 2000 bei der vom RV ausgerichteten Hallen-WM in der Böblinger Sporthalle gewannen die Gärtringer Gebrüder Lomuscio den Titel des Weltmeisters. Erst vor wenigen Tagen wurden König/Berner Vize-Weltmeister in Portugal!

Der Kunstfahrsport in Gärtringen und damit im Kreis erlangte über mehrere Jahre Blüte durch den Zuzug von Annemarie Schlosser (Flaig). Was davon blieb ist die erfolgreiche Verlagerung auf mehrere Kreisvereine (u.a. Weil im Schönbuch, Nufringen, Oberjesingen, Öschelbronn). Weltmeister/innen und Medaillengewinner/innen bei Welt- und Europameisterschaften entwickelten sich im Kreis!

Natürlich gibt es immer noch (glücklicherweise) Vereine im Kreis, die sich dem Radsport als Förderer und Veranstalter verschreiben. Die Vereine in Schönaich, Ostelsheim, Kuppingen, Merklingen seien hier stellvertretend erwähnt. Alle benötigen dazu als Grundvoraussetzung ein „lebendiges Vereinsleben“

Neue olympische Sportarten im Kreis:

MTB und BMX fanden ihre erste Heimstätte innerhalb Deutschlands im Landkreis Böblingen: Der Magstadter Wolfgang Renner, der Outdoor-Spezialist des Landkreises, brachte als Importeur diese in den USA entwickelten Sportgeräte als erster auf den heimischen Markt, baute gar eine erste BMX-Bahn, und war der erste Fachwart im BDR; konnte auf diese Art mit enormem Engagement für die „Verbreitung“ und nationale Anerkennung sorgen.

Heute noch engagiert er sich mit dem MTB-Team „Merida“ im internationalen Radsport! Seine Aktivitäten führten auch dazu, dass einer der ersten Deutschen Meister aus dem Kreis kam. Bernd Eckenbach/Hildrizhausen, der über den ADAC dazu kam, später erfolgreicher Moto Crosser.

Dies war im Übrigen auch das Anliegen des ADAC, sich damals mit dieser jungen Sportart seinen Moto-Cross-Nachwuchs zu sichern.

BMX hat sich professionell entwickelt und ist auf Bahnen angewiesen, von denen es aktuell im Kreis keine gibt. MTB entwickelt sich in Mittelgebirgslagen, also entlang der Alb oder im Schwarzwald, könnte aber auch bei uns durchaus Einzug halten. Findet sich ein „Macher“, wird eine oder alle beiden Disziplinen im Kreis Einzug halten. Interessenten gibt es genügend – nun müssten noch Bahnen und ausgewiesene Strecken, „gefüllt“ mit Rennen folgen!

 

Gesellschaftlicher Wandel und daraus resultierende Sportentwicklung des Radsports

Ab den 60er Jahren beeinflusste in erster Linie die zunehmende Mobilität die gesamte Sportentwicklung.

Vor dieser neuen Epoche waren es nur die Profis, die damals per Bike und Bahn quer durch die Republik fuhren, um Wochenende für Wochenende Rennen mit anderen Assen zu bestreiten und dadurch weitere Entwicklung nehmen konnten. So gab es bereits 1952 den ersten deutschen Profi-Straßenweltmeister, Heinz Müller / Schwenningen, der damals regelmäßiger Stammgast u.a. auch in Öschelbronn war! Er aus dem Flächenland besiegte nicht nur die internationale Konkurrenz sondern behauptete sich gegen seine Mitstreiter aus den traditionellen Radsportzentren Deutschlands!

Ausgeschlossen davon waren im Wesentlichen die Amateure: Mangels Mobilität entwickelte sich in jedem einzelnen Landesverband des BDR eine eigene Rennphilosophie. Im Nachteil waren Verbände mit kleineren Starterfeldern. Die Hochburgen lagen in den großen Ballungszentren.

 

Rennfahrer aus dem Kreis:

Einige Wenige möchte ich nennen, und zwar diejenigen, welche nicht nur in der Region sondern vor allem national, gar international eine Rolle spielten:

Im Rennsport waren es vor dem Krieg vor allem Georg Rinderknecht (Oberjettingen), Georg Beck (Kayh), Karl Weimer (Bondorf), die Geschichte schrieben. Karl Weimer (später mein Trainer) z.B. begann nach dem Krieg noch eine erfolgreiche Profi-Karriere! Sowohl auf Straße und Bahn war er erfolgreich – und dies in einem „Methusalem-Alter“ um die 40! Damals eigentlich unvorstellbar!

In den 50er-Jahren war es Fritz Baitinger/Öschelbronn, der 1952 zum engeren Kreis der Olympiakandidaten gehörte und in der Folge als engagierter Förderer die Vereinsentwicklung wesentlich mitbestimmte.

Sie allen waren Vorbilder, denen wir Jungen nacheiferten!

 

Mit der zunehmenden „Mobilität“ wurden nicht nur die Rennen qualitativ besser sondern brachten auch für Sportler aus Flächenländern bessere Chancen:

Diesen Wandel konnte ich am eigenen Leib „erfahren“! 1958 fuhr ich zur Württ. Meisterschaft am Vortag mit dem Rad die 80 km nach Heilbronn, um am Sonntag das 25 km-Rennen bestreiten zu können. Zurück gab es dann eine Mitfahrmöglichkeit. Nur kurze Zeit später konnten alle mit dem Pkw und Kleinbus zu den Rennen fahren.

Für mich, quasi der erste „Amateur-Profi“ (ohne Profi-Status) aus dem Kreis, der von dieser erweiterten Wettbewerbsstreuung profitierte, gab es „draußen“ viel zu lernen. Die Starterfelder wurden größer, teils übermächtige Gegner (auf dem Papier) in Form von „Vereins-Teams“ wurden zu harten Konkurrenten. Für einen Einzelnen des Öfteren eine „harte Nuss“!

Die dazu erforderliche Leistung kam natürlich aus regelmäßigem, täglichem Training mit meinem langjährigen Partner Pit Glemser und durch Anleitung unseres „Lehrmeisters“ Karl Weimer! Zugute kam mir dabei meine Tätigkeit als Schriftsetzer im Herrenberger Gäubote. Die regelmäßig frühen Arbeitszeiten gaben mir Möglichkeiten zum täglichen Training! Weiter aufwärts ging es mit der  Aufnahme in die Nationalmannschaft, dadurch zusätzliche Trainingslager und internationale Wettkämpfe.

Parallel dazu entwickelte sich Karl Stähle und in seinem „Schlepptau“ Wolfgang Renner, späterer WM 3. im Querfeldeinsport! Karl Stähle`s Weg verlief anders als meiner: Er stand als Glaser voll im Beruf und trainierte in der Regel immer erst spät abends zusammen mit seinem Bruder, zumal anfangs der Vater nichts von diesen Aktivitäten erfahren durfte! Wolfgang Renner begann seine Karriere gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Jürgen als Kunstfahrer (Deutsche Meister A-Jugend 2er Kunstfahren), ehe er sich zum erfolgreichen „Crosser“ entwickelte!

Ab 1969 kamen Jürgen Colombo (Leonberg- Olympiasieger Vierer 72) und Hans Lutz, dessen Wurzeln in Unterjettingen liegen. Er wuchs in Stuttgart auf, fuhr dort für den SSC, danach kurzzeitig in NRW, um dann zur neu gegründeten RSG Böblingen zurück zu wechseln. Er, Olympiasieger, 3 x Vierer- und 1 x Verfolgungsweltmeister und 1972 Olympiadritter in der Verfolgung lebt heute in Altdorf! Zeitgleich konnte sich Roland Weißinger/Grafenau zum Nationalfahrer entwickeln..

Mit ihm gab es einen tollen Schub für die RSG Böblingen. Neben Fahrern von außerhalb (Gerhard Strittmatter, Reinhard Alber, Bruno Hänle, Michael Maué) konnteVolker Kirn/Gärtringen, Gerd Dörich/Maichingen und Andreas Lebsanft/BB und mit ihnen weitere Fahrer aus dem gesamten Land entwickeln!

In Öschelbronn, Straße – eng mit dem Namen Hans Holczer verbunden - entwickelte sich nun wieder eine starke Rennfahrer-Generation, die mit Sven Kraus begann und sich bis heute fortsetzt. Die Entwicklung bleibt nicht stehen!

 

Kunstfahrer/innen:

Die Kunstfahrer/innen, wie auch die Radballer konnten sich parallel zum Bau verbesserter Hallen und einer tollen Lehrarbeit durch Vater und Sohn Manfred und Dieter Maute toll entwickeln. Die Sportler/innen des Landes, wie auch des Landkreises profitieren enorm davon!

WM-Titel und –Medaillen gewannen: Sandra Schlosser (Gärtringen), Astrid Ruckaberle (Weil im Schönbauch), Sonja Bissinger (Nufringen), Robin Hartmann (Nufringen)

2er – Gudrun Steegmüller, Sandra Steegmüller, Karin Ludwig, Simon Altvater, Nico Kunert

Radball: Sandro und Michael Lomuscio, Matthias Berner- Uwe König (aktuell WM 2.)

 

Die Wettkampf-, bzw. Sportentwicklung und ihre Macher!

Unterstützt wurde diese sportliche Entwicklung durch hochwertige Veranstaltungen und enormes Engagement in Aufbau und Weiterentwicklung der einzelnen Disziplinen. Dazu waren natürlich Macher erforderlich, die Andere mitreißen konnten:

In Magstadt gab es 1969 die Cross-Weltmeisterschaften, dazu eine große Anzahl an Deutschen Meisterschaften und das Traditionsrennen am 6.1. Dieser Termin wurde leider durch den internationalen Kalender „ausgebremst“. Nun finden stets in dieser Zeit die nationalen Meisterschaften statt! 2010 gibt es eine Auflage dieser Tradition: Magstadt richtet die DM aus!

In Gärtringen gab es eine DM Cross- und eine DM Straße. Lange Jahre in Zusammenarbeit mit weiteren Vereinen die Kreis-Rundfahrt.

Schönaich schaffte es mit dem Ostermontags-Rennen inzwischen zu einem Klassiker. Davor gab es Kriterien und Querfeldeinrennen. Macher war damals Herbert Maucher, heute Uwe Töpfl!

In Öschelbronn gab es die traditionellen Bahnrennen, nach deren vorübergehender Stilllegung mehrfach Bundesliga-Rennen und in Herrenberg eine DM im Zeitfahren (2004). Weitre Kreisvereine veranstalten seit Jahren Kriterien (Rennen auf kürzeren Rundkursen), die vor allem zur Nachwuchsentwicklung Bedeutung besitzen.

Im Hallenradsport richteten der RV Gärtringen Weltmeisterschaften in Böblingen aus. Der RV Nufringen organisierte eine Nachwuchs-Europameisterschaft. Ebenso fanden natürlich bei mehreren Vereinen des Kreises Deutsche Meisterschaften der Hallensportler/innen statt.

Verantwortlich zeichneten dafür u.a.Männer wie Eugen Kirn (Gärtringen), Gustav Kohler, Heinz Laib, Fritz Birk (Magstadt), Herbert Maucher (Schönaich) und Otto Eipper (Öschelbronn). Alle fanden in ihren Vereinen aktive Nachfolger, welche diese Traditionen aufrecht halten konnten. Auch im Sportkreis fand sich ein engagierter Förderer des Radsports dazu: Oskar Marczy!

Der Profi-Radsport hielt im Kreis Einzug durch Winfried Holtman. Dennoch war er der unermüdliche Motor der RSG im Amateur-Bereich. Er, ein Mensch mit starkem sozialem Engagement und von Hause aus Handballer, stieg in den Radrennsport ein, als ihm ein früherer Profi (Dieter Puschel) erzählte, dass die Profis während des Sommers in Deutschland kaum Startmöglichkeiten hätten!

Winfrieds Mut kannte keine Grenzen!

Folge: Er organisierte lange Jahre die Coca-Cola-Trophy, wurde 6-Tage-Veranstalter in Stuttgart, versuchte sich als Veranstalter in Münster und Leipzig. Er war Organisator von Profi-Rundfahrten (zuerst Schwabenbräu-, später Hofbräu-Cup), organisierte Etappenankünfte der Tour de France (1987) und mehrer Deutschlandrundfahrten im Raum Stuttgart und gründete 1990 das Profi-Team STUTTGART, den Vorläufer des Teams Telekom, bzw. t-mobile.

Parallel dazu entwickelte in Öschelbronn Hans Holczer ein Amateur-Vereinsteam, das im Verlauf von wenigen Jahren immer besser wurde und die letzte Bundesliga-Wertung der Amateure 1996 (Histor Öschelbronn) für sich entscheiden konnte. Ein Großteil der Fahrer kam aus dem Kreis. Nationale und internationale Leistungsträger (Amateure) stießen dazu. Alle hielten ihm lange Jahre die Treue: allen voran Michael Rich und Uwe Peschel. Auch Jörg Jaksche, ein Fahrer der in letzter Zeit als Profi eher unangenehme Schlagzeilen förderte, gehörte zu diesem damaligen Kreis!

Mit seinem Partner HISTOR entwickelte er daraus ein semiprofessionelles Team, das nach einem Jahr mit dem Partner SCHAUFF (Bike) seine Fortsetzung fand. Nach dem Ausscheiden des zweiten Partners (1 Jahre) musste er ein Jahr pausieren. Im Spätherbst konnte er den Partner GEROLSTEINER für sich gewinnen. Glücklicherweise konnte er damals viele seiner Rennfahrer zurückholen.

Diese Konstellation entwickelte sich zu einer tiefen Partnerschaft, die in den letzten Monaten ihrer Zusammenarbeit (leider) Kratzer bekam.

Über lange Jahre konnte Hans sein Team sauber halten, mögliche Auffälligkeiten per Vertragsauflösungen im Keime ersticken. Doch gegen die moderne Chemie war auch er letztendlich machtlos.

Auch wenn der Radsport, insbesondere der Rennsport, derzeit eine gewaltige Krise durchläuft, bleibt dieser Sport nach wie vor interessant: Das Thema Geschwindigkeit, verbunden mit einer enormen Reichweite aus eigener Kraft, lässt den von der „Mikrobe Radsport“ befallenen nicht mehr los. Persönlich kann ich nur jungen Menschen dazu raten, sich in diesem Sport zu versuchen, ggf. gar eine Sportkarriere einzuleiten! Die dadurch gewonnene Erfahrung hilft auch im Alltagsleben! Und die Chance ist groß, mit diesem Engagement die schwierigen Klippen des Teenager-Alters zu umschiffen!

Unsere Vereine, wie auch der Landesverband beschäftigen gute und engagierte Trainer, die sich um die Entwicklung unseres Nachwuchses kümmert. Wir werden alles daran setzen, nicht nur auf nationaler Ebene unsere Führungspositionen im Renn- wie im Hallensport zu halten.

Große Sorgen bereitet uns jedoch die demographische, ebenso die schulische Entwicklung (G8). Als „Tageslicht-Sportart“ im Rennsport  müssen wir zudem hart um weiteren Nachwuchs ringen. Wir arbeiten daran!

Karl Link

 

 

Zusammenfassung:

Mit der Erfindung der Draisine gab es auf einfachste Art Mobilität für Alle. Eine rasante Sportentwicklung war u.a. die Folge. Um diese Entwicklung zu steuern war es unumgänglich, dass sich Vereine, ebenso ein Dachverband gründeten (BDR 125 Jahre- 1884)!

Im Kreis Böblingen gab es kurz nach der Jahrhundertwende einen ersten Schub an Vereinsgründungen. Durch die politische Entwicklung kam es aber meist erst nach 1920 zu aktivem Vereinsleben!

Mit qualitativ immer besseren Wettbewerben im Renn- und Hallensport, ebenso immer besserer Straßenqualität und für den früheren „Saalsport“, dem Bau von Turnhallen, stiegen auch die sportlichen Leistungen, im Landkreis, wie im gesamten Bundesland.

Starke Persönlichkeiten aus dem Landkreis Böblingen stehen hinter diesen Entwicklungen! Ohne diese „Macher“ gäbe es den Radsport mit seinen vielen Facetten in der heutigen Form nicht!

 

 

 

 

Karl Link:

Jahrgang 1942

Olympiasieger u. Weltmeister 1964 im Bahn-Vierer (Tokio, Paris)

WM-Zweiter Bahn-Vierer 1966 (Frankfurt), WM-Dritter 1967 (Amsterdam)

Silbermedaille Mexiko 1968

Bundestrainer von 1969 – 1981

Landestrainer 1982 – 1986

Leiter des Olympiastützpunktes Stuttgart 1987 – 2007

Vereine während der Rennsportkarriere:

RSV Öschelbronn         1957 – 1958

Spvgg Feuerbach         1959 – 1962     

Stuttgarter Sportclub    1963 - 1969     

seit 2002 -

Vizepräsident für olymp. Sportarten im Württembergischen Radsportverband

 

Radsportbezirk Schönbuch-Würmtal e. V. | ulli.faust@radsportbezirk.de